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Schull- und Veedelszoch

Schlebuscher Karneval 1927/28

mit der damaligen Karnevalsgesellschaft Dhünnberg

Straßenkarneval und Schull- und Veedelszoch, das sind heute im Leverkusener Osten wieder zwei Begriffe geworden, die für viel Frohsinn im närrischen Treiben sorgen. Dabei hat gerade der Straßenkarneval in Schlebusch eine alte und lange Tradition, die aber in den sechziger und siebziger Jahren fast in Vergessenheit geraten ist. Es gibt nur noch wenige, die sich daran erinnern können, wie es damals war, als im Jahr 1928 der Vater von Otto Marx als Prinz dem Schlebuscher Karneval vorstand. Noch heute schwärmen die alten Schlebuscher von dem närrischen Lindwurm, der sich zu Beginn der 50er Jahre von Schlebusch über Manfort nach Wiesdorf bewegte.

Karnevalszug durch Schlebusch

heutige Ecke Berg. Landstraße / Von-Diergardt-Straße

Glücklicherweise ergab sich ein neuer, für alle Leverkusener Gesellschaften gemeinsamer großer Zug in Wiesdorf, aber die alte Schlebuscher Tradition des Straßenkarnevals ging verloren.

Schlebuscher Kreuz

Straßenkarneval am "Schlebuscher Kreuz" mit der Gruppe " Us d'r Lameng". Sänger Henning Krautmacher ist heute Frontmann der Gruppe "Höhner"

Vor über 20 Jahren aber entstand ein neuer Gedanke: “Eine Karnevalssitzung unter freiem Himmel.“ Durch die Initiative von Bernd Herbel (Prinz Bernd II.) und Peter Pferdehirt entstanden unter der Mitwirkung der „KG Krankenhaus“ und der „KG Grün-Weiss“ die ersten Straßensitzungen am Schlebuscher Kreuz. Zu Beginn war es noch eine von vielen belächelte Sache. Wer konnte sich schon vorstellen, dass es Menschen gab, die im Januar oder Februar, womöglich bei Regen, Schnee und Kälte an einer Straßensitzung teilnahmen. Aber auch die letzten Kritiker waren schnell überzeugt. Die Bevölkerung nahm diese Veranstaltung mit Begeisterung auf. Schon bald drohte der Südring zur Zeit der Sitzung förmlich aus den Nähten zu platzen, und es wurde auf der Straße mitgesungen und mitgeschunkelt.

Karnevalszug durch Schlebusch

heutige Ecke Berg. Landstraße / Von-Diergardt-Straße

Plötzlich wurden auch die Erinnerungen an die alte Tradition des Schlebuscher Straßenkarnevals wieder wach, und es entstanden die ersten zaghaften Gedanken an den alten und vielleicht möglichen neuen Zug.

Karnevalszug durch Schlebusch

heutige Ecke Berg. Landstraße / Von-Diergardt-Straße

1986 zogen dann die ersten wenigen Gruppen noch auf dem Bürgersteig, am Verkehr vorbei, durchs Dorf zum Südring. 1987 war es dann soweit. Der erste organisierte Zug ging über die halbseitig gesperrte Bergische Landstraße. Tausende standen im Dorf am Straßenrand und waren mit Begeisterung bei der Sache. Viele Schlebuscher Schulen und Vereine bewiesen mit ihrer Teilnahme ihr Interesse.

Karnevalszug von Schlebusch nach Wiesdorf

Der Schlebuscher Karnevalszug am 28.02.1954 von Schlebusch nach Wiesdorf, der Wagen der KG Grün-Weiß mit Präsident Hans Liever vor dem alten Rathaus

Als dann 1988 dieses Kind der Schlebuscher Karnevalisten ein Jahr alt wurde, sperrte man zu seinem Geburtstag die Bergische Landstraße und die Mühlheimer Straße. Circa 10.000 begeisterte Narren standen am Zugweg. Viele Schlebuscher Vereine und nahezu alle Schule aus dem Leverkusener Osten machten mit, und rund 800 Teilnehmer zogen fröhlich und bunt kostümiert durchs Dorf.

Präsident Otto Marx

Der Gesellschaftswagen Grün-Weiß Schlebusch mit Präsident Otto Marx 1988 im Wiesdorfer Karnevalszug

Natürlich wollte keiner der Organisatoren durch diesen Zug Unfrieden zu anderen Karnevalsgesellschaften säen, und man sah auch keine Konkurrenzsituation zu den Zügen in Wiesdorf und Opladen.
Schließlich war der Schull- und Veedelszoch eine Alternative und durch die Teilnahme von Schulen und Vereinen ganz anders. Spontanität und Originalität sollten im Vordergrund stehen und nicht die Perfektion der großen Züge. Die Bevölkerung sollte vielmehr mitmachen und nicht nur zuschauen.

Zugleiter Robert Linden

Karnevalszug 1985, an der Spitze Zugleiter Robert Linden

Dieser Wunsch erfüllte sich dann in den folgenden Jahren. Über 1400 Teilnehmer meldeten sich zum Zug, und am Karnevalssamstag säumten circa 30.000 Menschen die Straßen im Dorf. Es wurde ein Umzug, der auch heute noch geprägt wird von der Begeisterung der Teilnehmer, die sich auch auf die Zuschauer überträgt.

Präsident Hans Günther

mit seinem Elferrat 1995 im Forum Leverkusen

Durch diesen Erfolg unseres Zuges aber kam das Problem auf, dass die so beliebte Straßensitzung am Schlebuscher Kreuz in der alten Form nicht mehr durchführbar war. Allerdings wurde aus der Not heraus sofort eine neue Lösung gefunden. Der neue Standort für eine Straßensitzung wurde der Marktplatz. Da hier ein Festzelt aufgestellt werden konnte, war man nicht mehr eventuellen Schnee- oder Regenfällen ausgesetzt. Nun startete an Weiberfastnacht ab 11.11 Uhr der Schlebuscher Straßenkarneval, und eine ganztägige Sitzung sorgte bis in den späten Abend für ausgelassene Stimmung.

Lachende Zelt 1994

Einmarsch des Elferrates 1994 ins "lachende Zelt" auf dem Marktplatz

Als weitere Ergänzung der Veranstaltungen kam dann in der Session 92/93 die erste Schlebuscher Damensitzung am Mittwoch vor Weiberfastnacht dazu, die inzwischen ein „Knaller“ im Karneval geworden ist. Zusammen mit der Schlebuscher Werbe- und Fördergemeinschaft wurde seit 1995 der Straßenkarneval ab 10.11 Uhr mit einem „Weibersturm“ durch die Fußgängerzone zum „Lachenden Zelt“ eröffnet.
Die Veranstaltungen im „Lachenden Zelt“ führten im Laufe der Jahre zu unüberwindbaren Organisationsproblemen und finanziellen Risiken.
Daher hieß es an Weiberfastnacht 2003: zurück zu den Wurzeln des Straßenkarnevals.

Der (erste) Veedelszoch

Der erste improvisierte "Veedelszoch" 1983 durchs "Dorf"

Seit 2003 wird der Start in den Schlebuscher Karneval nunmehr als Straßensitzung im Anschluss an den „Weibersturm“ gefeiert. Im Biergarten des Pfannkuchenhauses „Haus Ferger“ treffen sich die Jecken am Lindenplatz. Bei freiem Eintritt geht hier ein närrisches Programm über die Bühne.
Diese Möglichkeiten, dem Straßenkarneval, seiner Ursprünglichkeit und dem damit verbundenen Frohsinn wieder größere Bedeutung zukommen zu lassen, wollen wir alle in Schlebusch auch weiterhin ausbauen und fördern. Zum Wohle einer in unserer ganzen Stadt geliebten alten Tradition.